Fahrradtag

Der Fahrradtag

Während des Tages werden Kenntnisse über Fahrradtechnik und Verkehrssicherheit vermittelt und ein Parcour durchgeführt.
Mit dem Ziel: Den Kindern das Fahrrad vor der Verkehrserziehung im Jahrgang 4 näherzubringen, ihre Fahrtechnik zu verbessern und den Klassenlehrer zu einer Fahrradtour mit der Klasse zu ermuntern. Damit soll eine etwas „rundere“ Fahrradausbildung erfolgen und Spaß am Fahrradfahren vermittelt werden.

Der Fahrradtag findet deshalb in der dritten Klasse statt, damit die Kinder ihre Probleme frühzeitig erkennen und bis zur Verkehrserziehung in der 4. Klasse Zeit haben, diese zu beseitigen (z.B. Probleme beim Handzeichen geben, Bremsen oder Geradeaus fahren).
Seitdem die Verkehrserziehung der Polizei pro Klasse nur noch kompakt erfolgt, ist es wichtiger geworden, dass man sich mit dem Fahrrad vor der 4. Klasse besser beschäftigt.

 

Inhalte des Fahrradtages:

1+2 Stunde: Sicherheit, Unfälle, Helmdemonstration (hier erzählen die Kids von Ihren Unfällen), wichtige Verkehrsschilder mit Fahrradbezug, Leitsätze zum Fahrradfahren im Straßenverkehr, Schalten üben auf der Fahrradrolle und Erklärung des Schaltprinzips.

3+4 Stunden: Mindestens 8 Stationen zum Fahrradfahren auf dem Schulhof (siehe unten).

5-6 Stunden: Fahrradfahren und das Bremsen in der Gruppe (Abstand halten, Zeichen geben usw.).
Vorstellung von Werkzeug, Schlauch flicken in Schülergruppen und Informationen über Defekte am Fahrrad usw. Zum Schluss dann noch die Reflexion des Tages. 

Das Zusammenspiel von Theorie und Praxis: Die Praxis ist das natürlich das Herzstück, funktioniert aber nur mit der Theorie perfekt.
Beispiel: Wenn die Kids von Ihren Unfällen erzählen und dabei herauskommt, dass einige Unfälle dabei waren, die durch falsches Bremsen verursacht wurden, hat es folgenden Effekt:
Einmal wirken die Leitsätze dazu besser (immer bremsbereit sein und nur mit funktionierenden Bremsen fahren) und zweitens nehmen sie auch die Bremsstation auf dem Schulhof ganz anders auf. Würden dann so Dinge wie Schaltung, Schlauch flicken oder Werkzeug fehlen, würde das Fahrrad wieder wirken wie das unbekannte Wesen. Doch um besser Fahrrad fahren zu können, muss man das Fahrrad auch besser verstehen und dazu dienen diese Inhalte.

 

Fahrrad fahren lernen: Viele Schüler lernen während des Fahrradtages das Fahrradfahren. Ziel ist es dagegen, dass sie es bereits in der zweiten Klasse können. Dazu haben wir ein Projekt in der Blücherschule durchgeführt, in dem 16 Schüler aus dem Jahrgang 2, die es noch nicht konnten, das Fahrradfahren gelernt haben.
Das Projekt wollen wir auf andere Schulen erweitern. Vor allem auf die Schulen in den Stadtgebieten, die viele Schüler haben, die das Fahrrad fahren nicht beherrschen. 

Fazit: Unser Ziel ist es, möglichst an allen Grundschulen in Wiesbaden den Fahrradtag anbieten zu können. In der Innenstadt flächendeckend.
Da wir erst im Herbst 2010 mit der Werbung anfangen konnten und der Herbst so nicht optimal ausgenutzt wurde, fand er in diesem Schuljahr erst an 17 Grundschulen statt. Nächstes Jahr werden wir uns der 30 nähern. 

Wir wollen den Service für die Schulen und Lehrer weiter ausbauen (Parcourmaterial bauen, Fortbildungen anbieten, Fahrradbeschaffungen durchführen), damit die Lehrkräfte vieles auch alleine erledigen können. Dazu soll verstärkt die kalte Jahreszeit genutzt werden. 



Geschicklichkeitsübungen mit dem Rad 

Geschicklichkeitsübungen sollen mehrere Eigenschaften erfüllen:

·      Bestimmte (motorische) Fertigkeiten verbessern und damit die Fahrsicherheit erhöhen.

·      Mit vertretbarem Aufwand durchführbar sein und zunächst nicht mehr als einen Vormittag in Anspruch nehmen.

·      Für Schüler mit motorischen Problemen zumindest teilweise privat nachvollziehbar sein.

·      Sich an dem Ziel orientieren, mit der ganzen Klasse sicher Rad fahren zu können. 

Korrekte Befolgung von Verkehrsregeln, wie sie in aufgemalten Simulationsstraßen geübt werden können, steht nicht im Vordergrund. 

 

Aber erst die motorische Sicherheit ermöglicht dem Radfahrer sich im Straßenverkehr
 

·      regelgerecht zu verhalten,

·      die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten kritisch und richtig einzuschätzen,

·      diese Fähigkeiten in Relation zu den durch die Verkehrsregeln bestimmten eigenen Rechten zu bringen.

 

Die Gefahrenabschätzung fällt einem motorisch geschulten, erfahrenem Radfahrer leichter als einem unerfahrenen, der sich nur mit einem Teil der Verkehrsregeln auskennt.
 

Nr.

Elemente, Übungen

was soll's?

Aufwand

1

Hütchenparcours, eng

Einschätzung eigener Fähigkeiten, Erkennen von Übungsbedarf, ggf. Vorteil eines niedrigen Gangs erkennen.

Leitkegel, Ersatz Dosen, halbe Tennisbälle o.ä.

2

Hütchenparcour, weit

Übungsmöglichkeit für Schüler, die zunächst am engen Parcour scheitern.

s.o.

3

Fahren über ein langes, schmales Brett

Balanceübung, Geradeausfahren, Einschätzung eigener Defizite.

Brett

3a

Fahren über ein schräges Brett

Zusätzliche Erschwerung der Balanceübung.

Ist aufwändiger zu bauen.

4

Langsamfahrstrecke zwischen 2 Kreidestrichen

Sehr wichtige Übung für die Fahrradbeherrschung, für das Fahren in der Gruppe und reale Verkehrssituationen, z.B. im Schlangeverkehr vor Ampeln.

(Straßen-) Kreide

5

Bremsstrecke

Erfahrung der unterschiedlichen Bremswirkung vorne und hinten und der optimalen Wirkung von beiden Bremsen, Verlagerung Körpergewicht nach hinten, Bremsprobe.

2 Hüttchen, Band, Schlauch o.ä. oder nur Kreidestrich.

6

Rampe

wichtige Erfahrung für die Radbeherrschung in Extremsituationen: Gewichtsverlagerung, Festhalten des Lenkers unter allen Umständen

Breites Brett, Backsteine.

6a

Fahren über eine mäßige Treppe, z.B. 2-4 flache Stufen, bergauf mit Brett (Hilfestellung!), bergab ohne Brett, Hinweis: im Stehen fahren, Hintern über das Hinterrad bringen!!!

s.o.

Keiner

7

Querrillen in Form von Dachlattenstücken

Radbeherrschung an Querrillen und Bordsteinkanten durch leichtes Anheben

Dachlatte

8

Longe, Schüler fährt im Kreis, hält die Schnur, lässt Lenker los, Wechsel von Hand und Fahrtrichtung im Stehen oder Fahren.

Übung für einhändiges Fahren beim Zeichengeben. Erfahrung, dass man bei Unsicherheit auf das Zeichen verzichten muss, ggf. Defiziterfahrung, differenzierte Übungsmöglichkeit

Seil, Spanngurt o.ä.

8a

Wesentlich schwerer, wenn z.B. 2 Radler umeinander fahren

 

Verbindung über 2 Schläuche.

9

Wippe, Hilfestellung !!!

Aufforderung zum Geradeausfahren, ggf. Hintergrund beachten, z.B. 2 Kegel als Geradeausfahrhilfe.

Ausgezeichnete, sehr motivierende Körpererfahrung.

Brett von 3 + dickes Rundholz.

 

Weitere mögliche Übungen:

 

Fahren auf einer Linie, Reagieren auf Stoppsignal, das von links oder rechts kommen kann.

Schulung

des Gesichtskreises.

Kreide, 2 Tafeln.

 

Ball aufnehmen, in Korb werfen

 

 

 

Unter einer Latte durchfahren

Ausgleich für kleine Teilnehmer.

Hochsprunglatte + seitliche Ständer.

 

Reifen über ein Hindernis werfen, z.B. Kartenständer

 

Reifen, Kartenständer.

 

Auf eine Tafel im Vorbeifahren schreiben

Spektakuläre Alternative zu Nr.4, aber manche Teilnehmer können sich abstützen.

Tafel, Kreide, Schwamm, Helfer!

 

Fahren in der Gruppe - im öffentlichen Straßenraum 

     ·      Sich auf Zeichen für das Anhalten, wahrscheinliches Anhalten und gegen das Drängeln verständigen
·      Handzeichen fürs Abbiegen durchführen.
·     Hinweis: Jeder muss selbst entscheiden, ob er fahren kann. Zum Beispiel beim Abbiegen nach links oder nach Vorfahrt gewähren, nicht blind mit der Gruppe mitfahren.
·      Nicht drängeln und überholen im Straßenverkehr!
     Rangeleien können tödlich sein! Auf Feld- und Waldwegen kann frei gefahren werden, falls die Regel, bis zur nächsten Kreuzung oder Gabelung, gelingt.
     Ggf. Rennen unterbinden, damit die Kondition geschont wird.
·      Mindestabstand 2 Radlängen.
·      Verhalten bei Tempoverzögerungen (Abstände variieren) und wenn Abstände zu groß werden (Höflichkeit, gegenseitige Unterstützung), miteinander vereinbaren.
·      Bei schnellen Bergabfahrten Abstände vergrößern, um Kollisionen zu vermeiden.
·      Nach dem Anhalten: Räder rechts ins Gras (um Durchfahrt zu ermöglichen bzw. Fußweg freizuhalten).
·      Sich auf einen "letzten Mannes" einigen, der unter allen Umständen auf Zurückbleibende wartet.
·      Spezielle Situation mit den Schülern durchspielen: Linksabbiegen, Absperren von Fahrbahnen. 

Das Fahren in der Gruppe muss im Schonraum Schulhof ausführlich geübt werden, mit Einhalten der Abstände, Verzögerungen, Beschleunigung, Anhalten. 

 

Kurze Wiederholung der Übung vor der Abfahrt zu einer Gruppentour.



Arbeitsbeschreibung des Johann Kraffert seit 16. August 2010
 

Meine Arbeit besteht im Wesentlichen aus 6 Tätigkeitsbereichen:

ž     Durchführung der Fahrradtage an Grundschulen
ž     Schleichwegeprojekt
ž     Integrationsprojekt „Frauen lernen Rad “
ž     Fußball AG an der IGS Kastellstraße
ž     Projekttage mit Herrn Prediger
ž     Vereinsarbeit 

 

Im Detail: 

Durchführung der Fahrradtage an Grundschulen: 

Bisher habe ich an 17 Wiesbadener Grundschulen in allen dritten Klassen den Aktionstag „Meine Klasse fährt Rad“ durchführen können. Die Veranstaltung trifft ausnahmslos auf großes Interesse und Begeisterung seitens der Schüler/innen und Lehrer/innen. In allen Klassen geben die Schüler die Rückmeldung, ihre Fahrtechnik und Fahrradbeherrschung verbessert zu haben.
Als Trainer kann ich das nur bestätigen. Die Schüler machen an dem Tag durchweg sichtbare Fortschritte in ihrem Fahrvermögen. Das trägt erheblich zu einem verbesserten Verhalten im öffentlichen Verkehrsraum bei. Beherrschung des Fahrrads ist auch eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme an der Jugendverkehrsschule zur Erlangung des Fahrradführerscheins. 

Mit vier Klassen der Comeniusschule (Sonderschule) konnte ich ebenfalls erfolgreich den Aktionstag durchführen. Die zum Teil geistig oder körperlich auffälligen Schüler/innen der Jahrgänge 5. und 6. Klassen waren sehr engagiert bei der Sache. Mehreren Schülern konnte ich an diesem Tag das Fahrradfahren beibringen. 

Meine Einschätzung ist es, das die Aktionstage wesentlich zu einer verbesserten Mobilitätsbildung aller beteiligten Schüler/innen beitragen und alle Kinder motiviert, ihre Fahrtechnik zu verbessern.
Es wächst der Wunsch, das Fahrrad immer öfter als Verkehrsmittel zu nutzen und schätzen/lieben zu lernen. 

 

Schleichwegeprojekt: 

Schwerpunkt in der „fahrradfreien“ Zeit der Wintermonate war die Untersuchung der Straßen der Wiesbadener Kernstadt auf Fahrtauglichkeit für Radfahrer. Dabei habe ich 310 Straßen abgefahren/-gelaufen und bewertet. Die Ergebnisse wurden in Tabellen übertragen und als PDF-     Dateien am 20. April 2011 dem Tiefbauamt zur weiteren Verarbeitung übergeben. 

 

Integrationsprojekt „Frauen lernen Rad“ 

Mitarbeit bei der „Projekt Start“ genannten Veranstaltung des LSB Hessen und des Gesundheitsamts Wiesbaden. Einmal pro Woche lernen Frauen, überwiegend mit Migrationshintergrund, auf dem Schulhof der IGS Kastellstraße Fahrrad fahren. Dabei unterstütze ich Herrn Wolfgang Stallmann, bzw. führe die Schulung bei dessen Abwesenheit selbständig durch.  


Fußball AG an der IGS Kastellstraße 

Im Rahmen der Sport AG’s an der IGS Kastelstraße Leitung der Fußball AG einmal pro Woche am Nachmittag.


Projekttage mit Herrn Prediger 

Assistenz und Unterstützung bei Seminaren und Fortbildungen für Lehrer, die Herr Prediger im Rahmen der Verkehrserziehung und Zertifizierung der Schulen durchführt. 

 

Vereinsarbeit 

ž     Mitarbeit bei Veranstaltungen und öffentlichen Auftritten des Vereins.
ž     Wartung, Pflege und Reparaturen des schulischen Fahrradpools, der für die Fahrradtage
    zwingend erforderlich ist.
ž     Leitung des Ferienprojekts des Amtes für soziale Arbeit „Fahrradfahren für Anfänger“ in der 
    ersten Woche der Osterferien 2011.

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